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Geschichte der Galerie Zur Stockeregg
 

Als europäischer Photogalerist der ersten Stunde war es mir von Beginn an bewusst, dass ich in der Schweiz gewaltige Aufklärungsarbeit zu leisten hatte, um die Photographie als gleichwertige Kunstform neben den anderen schönen Künsten zu etablieren.

Meine "Unternehmensphilosophie" gründete deshalb auf folgenden Pfeilern:
- Langer Atem (sieben Jahre bis zum Break Even)
- Konzentration auf Kernzeit 1900-1950
- Kunstgeschichtliche Relevanz als Auswahlkriterium
- Höchste Qualität im Einkauf
- Keine Konsignationen, sondern Engagement mit Eigenkapital
- Anspruchsvolle Ausstellungspädagogik
- Wissenschaftlich recherchierte Publikationen
- Teilnahme an internationalen Kunstmessen als Podium für thematische Schwerpunktbildung
- Vorträge, Führungen, Presseinformationen


Nach über fünfundzwanzig Jahren Galerietätigkeit wurde folgendes erreicht:
- Akzeptanz der Photographie als selbständiges Kunst- und Sammelgebiet
- Internationales Ansehen der Galerie (in Fachkreisen weltweit unter den "Top Three" angesiedelt)
- Dank konsequenter Einkaufspolitik (versus Konsignationspolitik), qualitativ einzigartige Photokunstsammlung kunstgeschichtlich gestützt
- Photokunstsammlung im Kunsthaus Zürich (bedeutende Schenkung) durch uns initiiert und zusammengestellt
- Fotomuseum Winterthur massgeblich mitgestaltet
- Durchbruch der Photokunst an der ART Basel mit eigenem Sektor (anlässlich 150 Jahre Photographie und 20 Jahre ART Basel mit
Herrn Bammeter aus der Taufe gehoben) - Hohe Pressepräsenz der Photographie dank Schulung und Förderung kompetenter Kunstkritiker
- In Fachkreisen begehrte Publikationen

Die Photokunstsammlung der Galerie Zur Stockeregg hat einen zentralen Schwerpunkt: das Werk von Paul Strand, dem Meister unter den Meistern. Seine Leistungen stehen für die Photographie des 20. Jahrhunderts einmalig da; er hat die Photographie zum künstlerischen Monument erhoben. Ihm wurde eine zweibändige wissenschaftliche Forschungsarbeit gewidmet.

Die Galerie hält weltweit die bedeutendste Sammlung seiner Werke ausserhalb von Museen. (Eine Präsentation seines ausserordentlich raren Frühwerkes, 1911-1915, wurde im März 1998 im The Metropolitan Museum of Art in New York unter Mitwirkung der Galerie eröffnet). Um dieses zentrale Werk von Paul Strand ist die Sammlung der Galerie kunstgeschichtlich logisch aufgebaut. Die grossen Meister der Photographie sind enthalten sowie die Stilrichtungen, Zeitperioden, Techniken und Themen.

Die Sammlung ist im Grunde genommen eine sogenannte Masterprint-Collection, aber nicht im Kleinen, wie für einen einzelnen Sammler konzipiert, sondern umfassender, sodass die Galerie jederzeit kunstgeschichtlich relevante Themen für Ausstellungen aufarbeiten kann.

Die Sammlung wurde immer derart erweitert, dass nicht der Wiederverkauf, sondern nur die Qualität und hohe Einstufung des einzelnen Blattes im Vordergrund standen. Wenige Lücken in der Sammlung sind letztlich über laufende Verkäufe der letzten Jahre hier und dort entstanden, können aber dank hervorragender Beziehungen zu entsprechenden Ressourcen auch heute noch kompetent geschlossen werden.

Mehr als fünfundzwanzig Jahre Arbeit mit und für die Photographie sind in die Sammlung eingeflossen, vor allem aber Herz, Seele und Liebe.


Kaspar M. Fleischmann